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Gemeindereise nach Zinnowitz auf Usedom vom 19.4. bis 26.4.2008
Die Reisegruppe der Hamburger Gehörlosengemeinde auf Usedom
Foto: Ronald Müller
Samstag, 19.4.: Pünktlich um 10.30 Uhr fuhren 46 Personen ab Hamburg mit dem Bus zum Ostseebad Zinnowitz auf Usedom. Unser Hotel „Casa Familia“ erreichten wir nach guter Fahrt am Nachmittag. Fünf Teilnehmende reisten selbständig mit der Bahn an. Im Hotel stand uns ein sehr schöner Tagungsraum zur Verfügung. Dort versammelten wir uns zur Morgenandacht mit Pastor Schaade. Aber auch für Frühstück, Abendbrot und gesellige Unterhaltung wurde der Raum genutzt. Die Casa Familia ist ein wunderbares Haus, das ganz in der Nähe von Strand und Bernsteintherme liegt. Alle haben sich da sehr wohl gefühlt.
Sonntag, 20.4.: Gleich nach dem Frühstück fuhren wir mit der „Vinetabahn“ zum Gottesdienst in die evangelische Kirche von Zinnowitz. Die Predigt hielt Herr Pastor Gützkow und Herr Pastor Schaade dolmetschte für uns. Am Gottesdienst wirkte eine Sängergruppe mit ihrem Dirigenten aus Greifswald mit. Die Gruppe hatte ihren Platz vor dem Altar. Dem Dirigenten gelang es zu unserer Überraschung und Freude, uns Hörgeschädigte in das Musizieren einzubeziehen. Der freundliche Mann mit der starken Ausstrahlung gab uns lebhaft Zeichen, wie wir im Takt klatschen oder auf die Kirchenbänke klopfen sollten. Wir spürten: Musik und Bewegung gehören zusammen. Der Dirigent brachte auf unkonventionelle Weise Stimmung in den Gottesdienst. Das war ein sehr schönes und erfreuliches Erlebnis. Der Nachmittag stand der Gruppe zur freien Verfügung. Viele unserer Reisegruppe nutzen eine schöne Ausflugsmöglichkeit. Zunächst fuhren wir mit der Vinetabahn bis Karlshagen. Dort, am kleinen Hafen, wartete bereits unser Schiff für eine Rundfahrt auf dem Peenestrom. Wir genossen Sonne, Wind und Meer und bestaunten das U-Boot, das wir bei Peenemünde von weitem liegen sahen. Von Karlshagen brachte uns die Vinetabahn wieder zur Casa Familia zurück. Dankbar blickten wir auf einen schönen Tag zurück.
Montag, 21.4.: „Inselrundfahrt“ stand auf dem Programm. Auf der alten, wunderbaren Lindenallee fuhren wir über Bannemin nach Krummin. Dort besichtigten wir die Klosterkirche St. Michael und erreichten nach einem kurzen Fußweg den idyllisch gelegenen Hafen von Krummin. Von dort hatten wir einen wunderschönen Blick auf die Krumminer Wiek und den Peenestrom. Die frische Frühlingsluft, das schöne Wetter und die Stille und die Abgeschiedenheit des Ortes waren eine Wohltat für Leib und Seele. Krummin ist ein Geheimtipp für Liebhaber der Insel Usedom. Von dort fuhren wir in Richtung Seebad Koserow und statteten den Koserower Salzhütten einen Kurzbesuch ab. Trotz des zeitlich knapp bemessenen Aufenthaltes zog es einige von uns noch auf die Koserower Seebrücke. Dann wartete im Landgasthaus Klein bei Mellenthin das Mittagessen auf uns. Gut gestärkt fuhren wir in das kleine Dorf Stolpe weiter, das nur wenige Kilometer von der Stadt Usedom entfernt ist. Wir besichtigten die Kirche. Für Pastor Schaade gibt es eine besondere Beziehung zur Stolper Kirche. Denn sein Vater und sein Großvater waren dort als Pastoren tätig. Auch das Stolper Schloss lernten wir kennen. Dann freuten wir uns auf eine Kaffeemahlzeit. Im Garten des Wasserschlosses Mellenthin konnten wir es uns bei Kaffee und der Spezialität „Waffeln“ oder anderen Leckereien gemütlich machen.
Dienstag, 22.4.: Den Vormittag hatten wir zur freien Verfügung. Am Nachmittag fuhren wir mit der Vinetabahn zum Atelier des Malers Otto Niemeyer-Holstein. Um zu unserem Ziel zu gelangen, hatten wir jedoch einen Fußweg über den Deich zu bewältigen und mussten dabei aufpassen, dass wir nicht weggeweht würden. Es herrschte eine frische Brise. Die Ausstellung der Bilder Otto Niemeyer-Holsteins und der schöne Garten des Künstlers machten uns viel Freude. Danach waren wir im Inselhof Zempin zu Gast und genossen bei wohltuender Frühlingssonne den herrlichen Blick auf das Achterwasser.
Mittwoch, 23.4.: Tagesausflug nach Stettin, das jetzt zu Polen gehört. Abfahrt 7.30 Uhr. In Pasewalk stieg Herr Pfarrer Wolfgang Schneider zu uns in den Bus, um uns zu begleiten. Nach Erledigung der Grenzformalitäten passierten wir die Grenze. Unser Ziel war zunächst Finkenwalde. Dort leitete Dietrich Bonhoeffer ab 1935 das Predigerseminar der Bekennenden Kirche. Wir sahen den Gedenkstein und gedachten Dietrich Bonhoeffers unter dem schlichten Holzkreuz, das dort errichtet worden ist. Das Gebäude, das als Predigerseminar gedient hatte, gibt es nicht mehr. In Stettin besuchten wir die jetzt einzige evangelische Kirche der Stadt. Der polnische Pfarrer begrüßte uns herzlich in polnischer Sprache. Zwei freundliche Damen aus der Gemeinde, die mit ihrem Pastor in die Kirche gekommen waren, übersetzten ins Deutsche. Dann erst konnte Herr Pastor Schaade für uns in die Gebärdensprache dolmetschen. Alles war sehr interessant. Wir erfuhren, dass in der evangelischen Gemeinde in Stettin auch Gottesdienste in deutscher Sprache gehalten werden. Als wir wieder zu unserem Bus kamen, sagte uns unser Fahrer, dass der Bus defekt sei und wir mit diesem Bus nicht nach Hause fahren könnten. Wir, die Ältesten unserer Gruppe, konnten mit dem Kleinbus der Gemeinde zum Restaurant „Porto Grande“ fahren, wo unsere Gruppe zum Mittagessen angemeldet war. Andere konnten ein Taxi benutzen. Endlich waren wir alle zusammen und konnten mit viel Verspätung unser Mittagessen einnehmen. Inzwischen war ein Ersatzbus aus Zinnowitz schon unterwegs, um uns abzuholen. Endlich um 17 Uhr war der Ersatzbus bei uns. Wir fuhren unter der Führung von Herrn Pastor Schneider durch Stettin zum Internationalen Dietrich Bonhoeffer Studien- und Begegnungszentrum. Wir wurden über diese Einrichtung informiert und dabei sehr nett mit Kaffee, Tee und Gebäck bewirtet. Sehr müde, aber froh und dankbar für alles, was wir gesehen hatten und dass trotz der Panne alles gut abgelaufen war, kamen wir nach 21 Uhr wieder in Zinnowitz an.
Donnerstag, 24.4.: Da für den Vormittag nichts geplant war, machten viele von uns einen Bummel am Strand von Zinnowitz, im Ort oder zur Seebrücke. Diese Brücke ist weit über 300 m lang. Diesmal war die See ruhig, nachdem wir an den vorherigen Tagen oft Wellen und Brecher sahen. Wir hatten fast immer gutes Wetter, Sonnenschein und Wind. Dazu der weiße Sand und die Möwen. Das war herrlich. – Am Nachmittag kamen Gehörlose mit ihrem Pastor aus Greifswald. Da gab es nette Begegnungen und viel zu plaudern.
Freitag, 25.4.: Der letzte Tag vor der Abreise. Da fuhren wir zunächst zum Golm. Das ist ein fast 60 m hoher Hügel in der Nähe von Kamminke an der polnischen Grenze. Auf dem Golm befindet sich heute der größte Kriegsgräber-Waldfriehof Deutschlands. Im März 1945 wurden bei einem Luftangriff auf die nahe gelegene, jetzt polnische Stadt Swinemünde 23.000 Menschen getötet. Die meisten von ihnen haben auf dem Golm ihre letzte Ruhestätte gefunden. Es gibt auch ein Mahnmal auf dem Hügel. In dem Rundbau sind die Worte Johannes R. Bechers zu lesen: „Daß nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint!“ Vor dem Mahnmahl steht die Skulptur „Weg ins Leben“ des Bansiner Künstlers Rudolf Leptien, die eine trauernde und frierende Frau darstellt. Tief beeindruckt vom Golm fuhren wir weiter zum Hafen von Kamminke und machten dort Erinnerungsfotos. Im Restaurant Bergmühle in Bansin Ortsteil Sallenthin wurden wir wieder mit einem leckeren Menü verwöhnt. Anschließend lernten wir die Kaiserbäder Ahlbeck und Heringsdorf kennen. Nach Tagen voller Sonne regnete es plötzlich. Rechtzeitig waren wir wieder in unserem Hotel. – Abends fand in unserem Tagungsraum die Abschiedsfeier statt. Rüdiger Götze sagte Herrn Pastor Schaade im Namen von uns allen unseren Dank. Mit Sekt und Wein stießen wir zum Abschied an und überreichten Herrn Pastor Schaade Bücher und seiner getreuen Helferin Frau Gerlinde Pöhls einen Gutschein für Blumen als Dank für allen Einsatz und alle Mühe.
Samstag, 26.4.: Es ging in froher Stimmung und in Erinnerung an schöne Tage und mit Dank an Gott zurück nach Hamburg, wo wir gesund am Nachmittag ankamen. Unser Herr Pastor Schaade hatte sich wieder viel Mühe gegeben. Er setzte sich wieder sehr für uns Gehörlose ein und möchte uns Freude bereiten.
Luise und Heinz Doormann
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